Demokratie, Nachhaltigkeit und Solidarität
als Basis unserer künftigen Gesellschaft
Projektbeschreibung
Ausgangslage
Nationalismus, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gewinnen in den letzten Jahren in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Begleitet wird dieser Prozess von Populismus und Extremismus besonders im politisch extrem rechten Spektrum. Ein Grund hierfür - neben sicher weiteren anderen - liegt sicherlich auch an unzureichender politischer Bildung (vgl. dazu z.B. Björn Allmendinger, Kai Venohr, Rechtsextremismusprävention in der politischen Erwachsenenbildung, in: Handbuch politische Bildung, 2016, S. 141 ff.).
Politische Bildung kann entscheidend dazu beitragen, Demokratie erfahrbar zu machen. Ein demokratisches Gemeinwesen kann ohne politisches Bewusstsein seiner Mitglieder nicht funktionieren – und dazu bedarf es vor allem auch der politischen Bildung. In einer lebendigen Demokratie fördert die politische Weiterbildung das Urteils- und Handlungsvermögen der Menschen durch Information und Meinungsaustausch, durch Wissen und Erfahrungsaustausch, durch Engagement und Lernen im Team. Hieraus entsteht bürgerschaftliches Engagement und gesellschaftliche Partizipation. Politische Weiterbildung nimmt damit im Prozess des lebenslangen Lernens eine bedeutende Rolle ein (vgl. dazu Oskar Negt, Versuch einer Ortsbestimmung der politischen Bildung, in Handbuch Politische Erwachsenenbildung, 2016, S. 10 ff.).
Es geht also darum, die Menschen für die Herausforderungen der Demokratie zu sensibilisieren und im Umgang mit rassistischen, extremistischen und antidemokratischen Einstellungen zu stärken. Das betrifft alle Bereiche unserer Gesellschaft. Die Familie als die Keimzelle unserer Gesellschaft bietet hier einen hervorragenden Ansatzpunkt für Demokratiebildung. Bereits in den Familien demokratische Prozesse anzustoßen und zu verankern, ist eine der Kernaufgaben für nachhaltige Sensibilisierung für unser demokratisches System. In der Corona-Krise konnten wir gerade wieder feststellen, wie wichtig Solidarität für unsere Gesellschaft ist. Wir haben erfahren, welch grundlegende Bedeutung Solidarität als generationsübergreifender Vertrag für das Zusammenleben in unserer Demokratie hat. Diese zu stärken und diese Bedeutung in die Familien zu tragen, ist ein wichtiger Bestandteil für das Funktionieren unserer Gesellschaft.
Darüber hinaus werden immer mehr gesellschaftspolitische Themen auch von den Kindern in die Familien getragen. Gerade das Engagement und die Diskussionen um den Erhalt unseres Planeten als Lebensgrundlage künftiger Generationen, um eine nachhaltige Entwicklung, um die ökologischen Probleme und damit verbunden konkret um die Nachhaltigkeitsziele der UNESCO haben im Rahmen von Initiativen wie Fridays for Future o.ä. auch Diskussionen in den Familien notwendig gemacht. Ziel der politischen Erwachsenenbildung muss es sein, Eltern dafür zu sensibilisieren, gesellschaftspolitische Themen in der Familie zu bearbeiten, die Familien bei diesen aktuellen Entwicklungs- und Veränderungsprozessen unserer Gesellschaft zu begleiten, ihnen Formate anzubieten, sich gemeinsam mit diesen Prozessen auseinander zu setzen und Möglichkeiten zur demokratischen Teilhabe zu eröffnen. In unserem Projekt „Demokratie braucht politische Bildung“ im Rahmen des ersten Hessischen Weiterbildungspakts von 2018 bis 2020 konnten wir in diesem Bereich schon einige Erfahrungen sammeln. Im Rahmen dieses Projekts wurden zwei Bildungsangebote für Familien entwickelt und durchgeführt. Das Seminar „Umwelt und Natur erleben. Mit Familien durch das Rhein-Main-Gebiet“ fand 2019 erstmals statt und wurde 2020 mit einem leicht überarbeiteten Konzept wiederholt. Ein zweites Familienseminar im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe wurde erarbeitet und im Sommer 2020 durchgeführt. Beide Seminare gehen mit Erscheinen unseres Bildungsprogramms 2021 in den Regelbetrieb über. Die Erfahrungen und Auswertungen der Evaluationsbögen sollen als Anhaltspunkte bei der Durchführung des beantragten Projekts dienen. Hier sind zum Beispiel die große Zufriedenheit der Teilnehmenden mit Inhalt und Verlauf der Seminare sowie dem persönlichen Nutzen zu nennen. Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass wir einerseits einen signifikant größeren Anteil an neuen Teilnehmenden bei diesen Familienseminaren im Vergleich zu den reinen Erwachsenenseminaren haben. Zum anderen fällt der deutliche Zuspruch auf, erneut an unseren Bildungsangeboten teilzunehmen. Hier gaben 86% der Teilnehmenden an auf jeden Fall wieder ein Seminar besuchen zu wollen. Die übrigen 16% machten das vom Thema abhängig. Kein*e einziger*r Teilnehmer*in beantwortete diese Frage mit „nein“.
„Demokratie ist die einzige staatlich verfasste Gesellschaftsordnung, die gelernt werden muss – immer wieder, tagtäglich und bis ins hohe Alter hinein. Das sind Lernprozesse, die beginnen in den Familien und in den Kindertagesstätten und sie enden nicht im Seniorenheim.“ (Oskar Negt: „Humanität setzt Bindungen voraus, die der Kapitalismus zerstört“. Ein Gespräch mit dem Sozialphilosophen Oskar Negt anlässlich seines 85. Geburtstags, Frankfurter Rundschau vom 01.08.2019)
Gefördert aus Mitteln des Landes Hessen im Rahmen des Weiterbildungspakts 2021 - 2025 